| meine Englischaula |
| die 7. Klasse beim Marschieren |
| ganz vorne: meine Gastschwester Erika |
| beim Singen der Nationalhymne |
| die besten Schueler werden geehrt |
| der Computación-Unterricht |
Nach einer längeren Pause möchte ich jetzt wieder die Feder ergreifen und ein wenig über meine Schule und den Unterricht schreiben. Mittlerweile bin ich schon seit über 4 Monaten hier in Ecuador und habe mich natürlich inzwischen natürlich schon an all die Abläufe und die Regelungen in der Schule gewöhnt, was teilweise gar nicht so leicht war.
Der normale Schultag beginnt um 7:30. Aber einen "normalen Schultag" gibt es so gut wie nie, da immer irgendetwas anders läuft. Um halb Acht befinden sich also die meisten Schüler auf dem Schulgelände und holen sich erst einmal eine Colada, ein heißes, dickflüssiges Getränk, und ein paar Kekse bei Carmen, die gleichzeitig Köchin, Hausmeisterin und Bewohnerin der Schule ist, ab. Für die Colada und das Mittagessen bringen die Kinder je Teller, Tasse und Löffel mit. Gegessen wird dann auf dem Schulhof, oder da, wo es grad passt. Um halb Acht treffen sich auch die Lehrer im Büro. Dort werden dann erst einmal jegliche News ausgetauscht, sodass der eigtnliche Unterricht frühestens um viertel vor Acht beginnt. Wenn aber beispielsweise ein Brief von der Regierung den Director erreicht hat, der den Schulbetrieb in irgendeiner Weise betrifft, wird dieser in Ruhe vorgelesen und diskutiert. So kommt es nicht selten vor, dass von der ersten Stunde nur wenige Minuten zum Unterrichten bleiben. Im 45-Minuten-Takt gibt es dann vor der Pause um halb Elf vier Unerrichtsstunden. Dazwischen gibt es zwar keine offiziellen, dafür aber genug andere Pausen, wenn zum Beispiel sich die Lehrer über etwas unterhalten müssen oder der Müll zur Straße gebracht werden muss. Wenn dann die Pause beginnt, ertönt eine Sirene, die im ganzen Dorf zu hören ist. Die Kinder laufen dann au den Schulhof und je zwei aus einer Klasse laufen zur Küche, um dort zum Beispiel eine Schüssel mit Reis und eine mit Bohnen oder einen Eimer mit Suppe abzuholen. Diese bringen die Kinder zur Aula der jeweiligen Klasse, vor welcher sie ihren Klassenkameraden dann je eine Portion auftun. Gegessen wird dann auf dem Schulhof im Sitzen, im Stehen oder beim Spielen. Nachdem die Kinder ihre Portionen aus der Küche abgeholt haben, sammeln sich langsam die Lehrer in der kleinen Küche. Wir essen zwar meist das gleiche, bekommen aber immer von Carmen noch eine kleine zusätzliche Beilage, die das ganze ein bisschen leckerer macht. Während der Pausenzeit kommt auch immer eine Frau aus dem Dorf mit ihrer "Schubkarrentienda" zur Schule. Aus ihrer Schubkarre verkauft sie dann Kindern und Lehrern viel Ungesundes, aber auch Getränke oder Brötchen. Sehr gerne wird die Pause ein gutes Stück überzogen, sodass von der fünften Stunde manchmal auch nur einige Minuten zum Unterrichten bleiben. Die letzte Stunde endet ebenfalls mit einem Sirenenton um halb eins. Die Klassenlehrer gehen dann nach Hause und auch einige Kinden gehen nach Hause, um auf Feldern zu arbeiten oder im Haushalt zu helfen, während die anderen für den freiwilligen Nachmittagsuntterricht zu bleiben. Das eigentliche Kollegium besteht aus den sieben KLassenleherern. Zusätzlich kommen an einzelnen Tagen noch Kunst-, Sport-, und Computacionlehrer. Durch ein Programm der Regierung kommen auch noch jeden Tag von halb Eins bis etwa Zwei oder halb Drei Lehrer aus Otavalo, um mit den Kindern ihre Hausaufgaben zu machen oder um mit ihnen zu spielen.
Generell fällt leider sehr viel Unterricht aus. Zum einen gibt es viele Feiertage, an denen keine Schule ist, zum anderen fällt auch manchmal die Schule aus, wenn zum Beispiel in der Nachbarstadt die Busse nicht fahren, weil dann einige Lehrer nicht zur Schule können. Auch gibt es für die Lehrer immer wieder wichtige "Reuniones", Treffen, auf denen sie anwesend sein müssen.
Ich gebe Computación- und Englischunterricht. Jeweils gebe ich teilweise alleine Unterricht und teilweise unterrichte ich mit einem Lehrer von der ecuadorianischen Organisation "Me Too". Der Computerunterricht gestaltet scih dabei meist etwas schwieriger. Zusammen mit dem anderen Lehrer machen wir etwas mehr Theorie, wenn ich aber allein unterrichte, versuche ich, sie möglichst viel am PC selber machen zu lassen. Anfangs hatten wir 9 Computer, sodass teilweise vier Kinder an einem PC sitzen mussten. Dank einer meines Erachtens etwas zweifelhafen Aktion der Regierung haben wir nun aber noch vier neue PCs bekommen, die aber momentan noch nicht in die Aula passen. Dank dieser Technologisierungsaktion der Regierung haben wir nicht nur vier neue PCs bekommen(die auch noch mit einem anderen Betriebssystem ausgestattet sind), sondern auch noch einen neuen Drucker, Mirkofone, ein Lautsprechersystem und - weil es besonders notwendig war - ein interaktives Whiteboard. Da die Regierung das ganze auch in Betrieb sehen möchte, müssen wir nun wahrscheinlich mit der Computación-Aula in eine ander Aula, in der mehr Platz ist, umziehen. Man fragt sich wirklich was denn eine Grundschule im ländlichen Ecuador mit einem solchen Gerät anstellen soll, zumal es viele andere Dinge gibt, die für die Schule sehr viel wichtiger wären: Die eine Aula bräuchte ein neues Dach und das Mittagessen wurde auch nun von der Regierung gestrichen, sodass es, nachdem die Reste jetzt noch aufgebraucht werden, bald keine Mahlzeit mehr für die Kinder in der Schule geben wird. Dafür haben sie jetzt ein Whiteboard.
Der Englischunterricht bringt immer sehr Spaß. Die Kinder sind es sonst wenig gewohnt, in den Unterricht eingebunden zu werden. Bei den anderen Lehern müssen sie meist zuhören, wiederholen oder abschreiben. Angesprochen werden sie im Kollektiv, antworten tut auch das Kollektiv. So ist es oft sehr schwierig den Unterricht anders zu gestalten. Wenn ich ein einzelnes Kind etwas frage kommt meist "no puedo"(ich kann das nicht) oder "no quiero"(ich will aber nicht), oder sie sagen gar nichts, einfach weil sie es kaum gewohnt sind einzeln zu antworten. Natürlich gestaltet es sich deshalb auch schwer mal einen Dialog oder ähnliches zu spielen.
Natürlich ist es auch wichtig, dass ich den Kindern etwas beibringe, aber das schönste ist eigentlich, wie sich die Kinder jedes mal wieder freuen mich wiederzusehen, wie sie mir morgens entgegenlaufen, oder wie sie nach der Schule zusammen mit mir nach Hause laufen.
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