Nachdem wir uns schon viele Male den Imbabura von unserem Wohnzimmer aus angeschaut haben, und jedes Mal, wenn der Vulkan nicht mit Wolken bedeckt war, gedacht haben: "Da oben müsste man jetzt sein", wollten wir nun heute den Aufstieg wagen. Da der Weg nicht ganz einfach sein sollte, und man uns davon abgeraten hatte, allein zu gehen, wollten wir uns einen Guide nehmen. Da wir dann am Ende zu elft gehen wollten, kamen drei Guides mit. Die Chancen, dass gerade an diesem Tag das Wetter uns die Sicht gut sei, waren nicht besonders hoch, owbohl meist der Himmel etwa bis acht Uhr am Morgen klar ist.
Die Guides holten uns um halb vier mit zwei Jeeps ab und wir begaben uns auf die eineinhalbstündige Fahrt nach Ibarra und von dort aus die Ausläufer des Imbaburas hoch, bis wir auf etwa 3600 Metern - zunächst noch im Dunkeln und mit Stirntaschenlampen ausgerüstet - loswanderten. Schon bald wurde es aber heller, der Horizont verfärbte sich in bunten Farben, die Wolken fingen an zu glühen. Die Aussicht war traumhaft in dieser Morgenstimmung, und besonders der Cayambe, ein weiterer, etwas höherer und mit Schnee bedeckter Vulkan, war sehr beeindruckend. Bei einer ersten Frühstückspause stellte sich leider heraus, dass zwei von uns, nicht weiterwandern würden. Der einen machte die Höhe zu sehr zu schaffen, bei der anderen waren es die Amöben. Die beiden gingen also mit dem einen Guide zurück und wir machten uns wieder auf den Weg. Die Landschaft wandelte sich bald von steilen Grashängen zu schroffen Felsen. Obwohl es hier noch nicht allzu schwer war, mussten wir nun schon ein bisschen klettern, was bei der perfekten Aussicht viel Spaß machte. LEdiglich der starke Wind machte uns manchmal ein bisschen Probleme. Nach einigem Auf- und Abklettern kamen wir auf dem Krater, der nur noch ein halber Krater ist, an und sanken erst einmal erschöpft zu Boden. Unser Guide erzählte uns, dass der Imbabura zuletzt vor 200 Jahren ausgebrochen ist und, dass seitdem die eine Hälfte des Kraters fehlt. Damals wurde die Stadt Ibarra fast komplett zerstört, sodass sie nach dem Vulkanausbruch an der heutigen Stelle wieder aufgebaut wurde. Dann erzählte er uns auch noch, dass die höchste Stelle des Vulkans genau auf der anderen Seite des Kraters sei. Und so machte ich mich zusammen mit David, Leo, Noemi, Leni und dem einen Guide auf den Weg zum Gipfel des Kraters. Zunächst mussten wir wieder ein wenig klettern, doch dann war der größte Teil um den Krater fast ein Spaziergang. Nur ganz am Ende mussten wir noch ein bisschen klettern, was echt gemein war, weil man sich nun an spitzem Lavagestein festhalten musste. Hier wollten die beiden Mädels warten, während wir mit Pablo, unserem Guide, zum höchsten Punkt auf 4670 Metern kletterten. Dort genossen wir die perfekte Aussicht über Otavalo, den Lago San Pablo und bis zum weit entfernten Vulkan Cotopaxi, die wir uns nach über tausend harten Höhenmetern verdient hatten. Trotzdem machten wir uns bald auf den nicht weniger anstrengenderen Rückweg. Während wir noch den Krater entlang wanderten, machten sich die anderen schon an den Abstieg, sodass wir dann umso schneller hinabklettern mussten, um sie wieder einzuholen. Sobald wir wieder an den steilen Grashängen waren, wo man nicht mehr klettern musste, oder aufpassen musste, wohin man tritt, wurde der Abstieg sehr anstrengend, die Knie schmerzten und wir waren alle ziemlich fertig, als wir wieder an den Jeeps ankamen.
Nach der Rückfahrt kamen wir um halb vier wieder zu Hause an und danken erst einmal in Sofas und Betten. Leider ging es mir dann nicht allzu gut: Wie sich herausstellte, hatte ich wohl auf der Hochzeit am Vortag etwas schlechtes gegessen oder getrunken. Selbst meine Gastmutter und einige andere im Dorf meinten, sie hätten nach der Hochzeit Magenprobleme gehabt. Es sei wohl der Chicha oder das Schwein gewesen. Aber nach zwei Tagen war das auch wieder behoben.
