Sonntag, 10. Oktober 2010

10.10.2010 Imbabura





















Nachdem wir uns schon viele Male den Imbabura von unserem Wohnzimmer aus angeschaut haben, und jedes Mal, wenn der Vulkan nicht mit Wolken bedeckt war, gedacht haben: "Da oben müsste man jetzt sein", wollten wir nun heute den Aufstieg wagen. Da der Weg nicht ganz einfach sein sollte, und man uns davon abgeraten hatte, allein zu gehen, wollten wir uns einen Guide nehmen. Da wir dann am Ende zu elft gehen wollten, kamen drei Guides mit. Die Chancen, dass gerade an diesem Tag das Wetter uns die Sicht gut sei, waren nicht besonders hoch, owbohl meist der Himmel etwa bis acht Uhr am Morgen klar ist.
Die Guides holten uns um halb vier mit zwei Jeeps ab und wir begaben uns auf die eineinhalbstündige Fahrt nach Ibarra und von dort aus die Ausläufer des Imbaburas hoch, bis wir auf etwa 3600 Metern - zunächst noch im Dunkeln und mit Stirntaschenlampen ausgerüstet - loswanderten. Schon bald wurde es aber heller, der Horizont verfärbte sich in bunten Farben, die Wolken fingen an zu glühen. Die Aussicht war traumhaft in dieser Morgenstimmung, und besonders der Cayambe, ein weiterer, etwas höherer und mit Schnee bedeckter Vulkan, war sehr beeindruckend. Bei einer ersten Frühstückspause stellte sich leider heraus, dass zwei von uns, nicht weiterwandern würden. Der einen machte die Höhe zu sehr zu schaffen, bei der anderen waren es die Amöben. Die beiden gingen also mit dem einen Guide zurück und wir machten uns wieder auf den Weg. Die Landschaft wandelte sich bald von steilen Grashängen zu schroffen Felsen. Obwohl es hier noch nicht allzu schwer war, mussten wir nun schon ein bisschen klettern, was bei der perfekten Aussicht viel Spaß machte. LEdiglich der starke Wind machte uns manchmal ein bisschen Probleme. Nach einigem Auf- und Abklettern kamen wir auf dem Krater, der nur noch ein halber Krater ist, an und sanken erst einmal erschöpft zu Boden. Unser Guide erzählte uns, dass der Imbabura zuletzt vor 200 Jahren ausgebrochen ist und, dass seitdem die eine Hälfte des Kraters fehlt. Damals wurde die Stadt Ibarra fast komplett zerstört, sodass sie nach dem Vulkanausbruch an der heutigen Stelle wieder aufgebaut wurde. Dann erzählte er uns auch noch, dass die höchste Stelle des Vulkans genau auf der anderen Seite des Kraters sei. Und so machte ich mich zusammen mit David, Leo, Noemi, Leni und dem einen Guide auf den Weg zum Gipfel des Kraters. Zunächst mussten wir wieder ein wenig klettern, doch dann war der größte Teil um den Krater fast ein Spaziergang. Nur ganz am Ende mussten wir noch ein bisschen klettern, was echt gemein war, weil man sich nun an spitzem Lavagestein festhalten musste. Hier wollten die beiden Mädels warten, während wir mit Pablo, unserem Guide, zum höchsten Punkt auf 4670 Metern kletterten. Dort genossen wir die perfekte Aussicht über Otavalo, den Lago San Pablo und bis zum weit entfernten Vulkan Cotopaxi, die wir uns nach über tausend harten Höhenmetern verdient hatten. Trotzdem machten wir uns bald auf den nicht weniger anstrengenderen Rückweg. Während wir noch den Krater entlang wanderten, machten sich die anderen schon an den Abstieg, sodass wir dann umso schneller hinabklettern mussten, um sie wieder einzuholen. Sobald wir wieder an den steilen Grashängen waren, wo man nicht mehr klettern musste, oder aufpassen musste, wohin man tritt, wurde der Abstieg sehr anstrengend, die Knie schmerzten und wir waren alle ziemlich fertig, als wir wieder an den Jeeps ankamen.
Nach der Rückfahrt kamen wir um halb vier wieder zu Hause an und danken erst einmal in Sofas und Betten. Leider ging es mir dann nicht allzu gut: Wie sich herausstellte, hatte ich wohl auf der Hochzeit am Vortag etwas schlechtes gegessen oder getrunken. Selbst meine Gastmutter und einige andere im Dorf meinten, sie hätten nach der Hochzeit Magenprobleme gehabt. Es sei wohl der Chicha oder das Schwein gewesen. Aber nach zwei Tagen war das auch wieder behoben.

Samstag, 9. Oktober 2010

09.10.2010 Hochzeit und Taufe







Vor einigen Tagen fragte mich Mama Manuela, meine Gastmutter, ob ich nicht heute mit zur Hochzeit in einer Kirche in Otavalound anschließend zur Feier im Dorf kommen möchte. Der Bräutigam ist wohl ein Verwandter. Da die Hochzeit um 2 stattfinden sollte, ging ich - nach ecuadorianischer Zeitrechnung - um halb 3 zur Kirche, wo ich auf das Brautpaar, ihre beiden Töchter, und einige andere, die ich aus dem Dorf kannte, traf und wir standen erst mal ein bisschen vor der Kirche herum. Als ich fragte, wo denn meine Gastmutter sei, sagten sie mir, sie sei zu Hause. Naja, warum auch nicht. Dann ging es in die Kirche, wo ein dicker, alter Pastor das Paar verheiraten sollte. Es hörte ihm aber fast keiner zu, vielmehr plauderte man mit dem Sitznachbarn oder begrüßte die während der PRdigt nach und nach eintreffenden anderen Gäste - unter anderem auch meine Gastfamilie. Das ganze dauerte nur etwa 20 Minuten. Dann wurden zu meiner Überraschung noch die beiden Töchter der neu verheirateten getauft. Warum soll man auch nicht gleich alles auf einmal erledigen. Die Taufe dauerteaber auch nicht besonders lang, sodass wir bald aus der Kirche gingen. Mit über 20 Leuten stiegen wir dann auf die Ladefläche eines Pick-Ups und fuhren aufs Dorf, wo ein Festzelt aufgebaut war. Nach einiger Warterei, ein paar kurzen Reden und einer Runde Chcha aus dem Eimer sollten wir uns drinnen an den Tisch setzen, wo dann das Essen gebracht wurde. Es gab eine Suppe mit je etwa einem halben Hähnchen drin. Ich versuchte mich tapfer zu schlagen, und schaffte es tatsächlich das Hähnchen und die Suppe zu essen. Dann stellte ich etwas verwundert fest, dass fast alle anderen immer wieder Teile des Hähnchens einfach in Tüten unterm Tisch verschwinden ließen. Ich sollte bald erfahren weshalb, denn dann wurde erst das Hauptgericht serviert: ein großer Teller, gefüllt mit vielen Kartoffeln, Reis und Mais, darauf ein riesiger Berg Schweinefleisch und als Krönung obendrauf frittierte Schweinehaut und -fett. Grandios. IIch schaffte es noch, etwa die Hälfte in mich hineinzustopfen und dann konnte ich glücklicher Weise meine Sitznachbarin überzeugen, mein Essen in ihre Tüte zu werfen. Eine sehr gute Entscheidung, denn dann kam - ich hatte es kaum mehr anders erwartet - der dritte und um Glück letzte Gang: Cuy-Suppe. Die Suppe schaffte ich sogar noch zu Hälfte auszulöffeln, aber von dem quer über den Suppenteller ausgestreckten gegrillten Meerschweinchen schaffte ich nur einige Bissen, bis ich es es ebenfalls in der Tüte meiner Nachbarin verschwinden ließ. Cuy - eine Spezialität hier in Ecuador - wird wohl bei jeder traditionellen Hochzeit gegessen. Überaschender Weise schmeckte es gar nicht so schlecht, nur ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Dann setzten wir uns wieder ins Festzelt, wohin der Bräutigam nun kastenweise Bier und Wein brachte. Bald tanzten wir zur lauten ecuadorianischen Musik. Etwa um sieben brach ich dann aber schon nach Otavalo auf, da wir am nächsten Tag um halb vier morgens unsere Tour auf den Imbabura starten wollten und ich noch ein wenig schlafen wollte.

09.10.2010 Ein neues Haus







Die Unruhen hier in Ecuador haben sich ziemlich schnell wieder gelegt. Zwar wurde für eine Woche der Notstand ausgerufen, aber schon nach 3 Tagen war alles wieder beim Alten.
Nun zum neuen Haus: Seit etwa drei Wochen baut meine Familie an einem neuen Haus etwa 50 Meter von dem alten entfernt. Dort wird die Tochter, die zur Zeit mit ihrem Kind bei uns im Haus lebt, einziehen, sobald es fertig ist. Zusammen mit zwei anderen aus dem Dorf bin ich also fast jeden Nachmittag mit dem Hausbau beschäftigt. Es ist sehr beeindruckend, was man hier alles selber macht. Nachdem die Fläche begradigt war, haben wir zunächst das Haus abgemessen und haben den Grundriss mit Pfählen abgesteckt, an denen wir Schnüre festmachten, um den genauen Grundriss zu bekommen. Dann haben wir an den Stellen, wo die 10 Pfeiler stehen sollten, etwa ein mal ein Meter große Löcher gegraben, bestimmt 1,5 Meter tief. Ziemlich anstrengend. Zwischendurch trafen wir auf ein paar Scherben , die laut Luis von den Inkas stammen. Ich hab einige mit nach Otavalo genommen und werd sie mal waschen und inspizieren. Dann fingen wir an mit Handsägen Stahlstangen zuzusägen. Dann bogen wir die Stahlstäbe zu Rechtecken, und befestigten sie, um daraus Säulen zu machen, mit Drähten an anderen Stahlstangen. So fertigten wir alle Stahlsträger einzeln an. Die Säulen betonnierten wir in die gegrabenen Löcher. Um die Säulen zu gießen, umhüllten wir die Stahlsäulen mit Holz, richteten es mit einem Lot und fixierten es, und gossen dann in einer Nachtaktion die Säulen: Zwei mischten auf dem boden und mit Schaufeln den Zement, einer stand auf der Leiter und goss den Zement in die Form, und ich brachte immer die Eimer mit Zement zu ihm und hiefte sie auf die Leiter. Am Ende waren alle mit Zement übergossen und ziemlich kaputt, aber wir hatten es geschafft. Als Nächstes  bauen wir nun die Stahlträger für die Decke, dann werden wahrscheinlich die Wände gebaut und die Decke gegossen. Es bringt jedenfalls immer Spaß am Haus zu arbeiten, und so schläft man auch besser in dem inzwischen, da ich eine weitere Matratze aus Otavalo mitgebracht hab, nicht mehr ganz so hartem Bett.

Freitag, 1. Oktober 2010

01.10.2010 Aufstand der Polizei

von: http://www.welt.de/
Auf Grund eines neuen Polizeigesetzes kommt es seit gestern zu einigen Unruhen hier in Ecuador.

Die Polizei hier in Ecuador scheint relativ gut zu verdienen, zusaetzlich haben sie in den letzten Jahren viele Gehaltserhoehungen und Boni erhalten. Der Praesident Ecuadors hat gestern ein Gesetz verkuendigt, das eine Umverteilung dieser Boni und Kuerzungen der Gehaelter beinhaltet. Vor einer aufgebrachten Menge gab der Praesident, selbst auch sehr aufgebracht (Correa: "Wenn ihr den Praesidenten toeten wollt, hier bin ich"), das neue Gesetz. Kurz danach wurde der Praesident Rafael Correa wohl am vor einigen Tagen operierten Knie verletzt und wurde ins Polizeikrankenhaus gebracht. Man hoert aber teils auch, dass er von der Polizei dorthin entfuehrt wurde. Dort wurde er dann festgehalten, bis das Militaer, welches wohl groesstenteils auf Seiten des Praesidenten steht, den Praesidenten aus der Polizeiklinik befreite. Dabei soll es zu Schiessereien zwischen Polizei und Militaer gekommen sein.
Auf Grund dieses Gesetzes streikt die Polizei zur Zeit im ganzen Land. Deshalb ist es in vielen Staedten gestern und in der Nacht zu Pluenderungen und Ueberfaellen gekommen. Von Guayaquil, Quito, Riobamba und Ibarra haben wir gehoert, dass Banken und Supermaerkte ueberfallen wurden. Zeitweise war auch der Flughafen von Quito besetzt. Heute kam die Nachricht, dass auch die Grenzen nach Peru und Kolumbien geschlossen sind, aber ich weiss nicht, inwiefern dies der Wahrheit entspricht. Der Praesident hat im Fernsehen zwar von einem Putschversuch geredet, andere behaupten aber, dass es sich bei den Unruhen lediglich um einen wenig organisierten Aufstand der Polizei handelt.
In Quito und Guayaquil scheint zwar viel los zu sein, hier in Otavalo merkt man aber kaum etwas von dem politischen Geschehen. Auf Grund der Unruhen fiel heute der Unterricht aus, sodass wir uns alle schon am Vormittag in der Wohnung getroffen haben. Die Strassen hier in Otavalo wirken sehr normal, in der Nacht fuhren lediglich ein paar Lastwagen mit Militaers auf der Ladeflaeche durch die Stadt, wohl um Pluenderungen und Ueberfaelle zu verhindern. Wir fuehlen uns aber noch immer sehr sicher hier im von allen Unruhen wohl weit entfernten Otavalo.


Zeitartikel zu den Vorfaellen
Video der Ansprache der Praesidenten

Montag, 13. September 2010

13.09. 2010 Der erste Tag im Dorf

Das Klo, leider ein bisschen klein für mich...

Dusche, Waschstein, Wasserstelle und Schlachtstein;)

Mais in der Küche

Auch in der Küche, mit ein paar Meerschweinchen

Die Küche

Das Wohnhaus

Die Küche unseres Hauses, davor mein Gastbruder mit dem geernteten Weizen

Kurze Pause bei Aussicht über den Lago San Pablo und die Vulkane Cotacachi und Imbabura

Ganz vorne: meine Gastmutter
..meine Schule
Heute sind wir schon früh aufgestanden, um in unsere Dörfer zu fahren. Während einige schon um halb 6 aus dem Haus mussten, gingen Sonja, David und ich erst um kurz vor 7 los. Nach 20 Minuten Busfahrt stieg ich in Caluqui aus. Die anderen beiden mussten in ihre Dörfer noch ein wenig weiter fahren. Nach 10 Minuten Fußweg kam ich dann in der Schule an. Um 7:30 sammelten sich alle Schüler auf dem Schulhof, um die Nationalhymne zu singen. Ich wurde vom Schulleiter vorgestellt und sollte gleich auch ein paar Worte sagen. Nacvhdem ich ein bissche was zusammengestammelt hatte, durften die Kinder in ihre Klassen gehen, während die Lehrer noche eine Versammlung hatten, wo ich nochmal bergüßt wurde. Da ich in dieser Woche noch nicht unterrichten soll, gehe ich erst einmal jeden Tag mit einer anderen Klasse mit und beobachte den Unterricht. Heute war die 4. Klasse dran. Bis zur Mittagspause um halb 11 hatten wir Spanischunterricht im Klassenzimmer. Das Mittagessen bestand aus Reis mit Thunfisch und wird von den Kindern auf mitgebrachten Tellern auf dem Schulhof gegessen, während wir Lehrer in der Küche sitzen. Nach der Mittagspause fingen wir mit Biounterricht an, gingen dann aber doch in ein anderes Klassenzimmer, wo die Schüler mit einer anderen Lehrerin basteln bis um 12:30 die Schule zu Ende ist. Auf Grund eines Regierungsprogramms kommen jeden Tag nach der Schule für jede Stufe ein Tutor aus Otavalo, der mit den Kindern bis 2:30 Hausaufgaben macht oder mit ihnen spielt. Ich hab also dem Tutor geholfen, bis mich Luis, mein Mentor, und gleichzeitig Lehrer an der Schule, abholte und mit mir zu meiner Familie ging. Nach 5 Minuten Fußweg kommen wir am Haus an, und Erika, meine Gastschwester, die ebenfalls auf meine Schule geht, holt erst einmal meine Gastmutter. Sie zeigt mir das Haus, in dem ich sogar ein eigenes Zimmer habe. Auf dem Bett ist zwar nur eine sehr, sehr dünne und zusätzlich durchgelegene MMatratze, aber immerhin habe ich ein Bett. Dann ging ich zusammen mit meiner Gastmutter aufs Feld, wo einige andere aus dem Dorf gerade Mittag essen. Wir setzten uns dazu,und ich aß mein zweites Mittagessen: Reis mit Kartoffeln und Bohnen, und dazu Chicha, irgendein halbgegorener Maissaft. Dann liefen wir auf ein weiteres Feld, welches weiter oben am Berg liegt. Sobald alle eingetroffen waren, fingen wir an mit Sicheln Weizen zu ernten. Wir legten das Getreide in kleinen Haufen aufs Feld, sodass es dann später auf einem großen Haufen gesammelt werden konnte. Bis die Sonne unterging erbeiteten wir auf dem Feld, was ganz schön anstrengend war, da man sich eigentlich ständig bücken muss. Dann ging es zurück zum Haus, wo meine Gastmuttedr eine Brühe mit Nudeln und Kartoffeln kochte. Wir saßen zusammen in der dunklen Küche auf Schemeln und hockern und da es inzwischen sehr kalt geworden ist, tat die warme Suppe sehr gut. Dann ging es auch schon gleich ins lang ersehnte Bett, was dann aber doch leider nicht ganz so schön weich und kuschelig ist, wie ich es mit vorgestellt hatte. Trotzdem schlief ich schnell ein, und wachte nur noch mal auf, weil ich die unterm Dach hereinziehende Kälte zu spüren bekam und eine weitere Decke über mich ziehen musste.